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Die Baeker Pottentaote

Eine Freundschaft zweier Gesellschaften seit 1973

Was hat eine Karnevalsgesellschaft aus Limburg in den Niederlanden mit einer Faschingsgesellschaft aus Gundelfingen in Bayern gemeinsam?

Die Antwort lautet: Den Faschingsgruß.

Präsidium und Elferrat der Baker Pottentaote grüßen bei offiziellen Anlässen mit der linken Hand an die rechte Seite ihrer Narrenkappe. In Limburg ist dies einzigartig. Die Beeker Freunde begründen ihre Art mit der Überlegung, man habe während des karnevalistischen Grüßens noch die rechte Hand zu einem weiteren Gruß frei.

Dass die Gundelfinger Glinken nach der Art des Linken Geigers mit links grüßen, ist ja den Insidern wohlbekannt.

Auch beim gerufenen Gruß verwenden die Beeker Freunde nicht den in dieser Region sonst allgemein üblichen Ruf „Alaaf", sondern begrüßen sich mit „allewiel". Dies bedeutet soviel wie: „heutzutage" oder „immer wieder".

Beek und ihre Karnevalsgesellschaft

Die Stadt Beek zählt ca. 16500 Einwohner und gehört zum Bezirk Limburg in den Niederlanden. Hauptstadt ist Maastricht (11 km entfernt). Die Stadt Gundelfingen unterhält mit der Stadt Beek eine Partnerschaft seit 1970.

Aus dieser Städteverbindung machten die Karnevalisten und die Fasnachter ebenfalls eine Partnerschaft. Auf der Seite der Beeker war der antreibende Motor für die Partnerschaft der damalige Präsident Pierre Smeets.

1981 wurde ein regelmäßiges Treffen alle 3 Jahre fest vereinbart.

Bisher fanden folgende Treffen statt:

1973 Gundelfingen in Beek

1981 Beek in Gundelfingen

1984 Gundelfingen in Beek

1987 Beek in Gundelfingen

1990 Gundelfingen in Beek

1993 Beek in Gundelfingen

1995 Gundelfingen in Beek

1998 Beek in Gundelfingen

2001 Gundelfingen in Beek

2004 Beek in Gundelfingen

2006 Gundelfingen in Beek 2010 Beek in Gundelfingen
2013 Gundelfingen in Beek  

Zum ersten Besuch 1973 passt gleich eine kleine Anekdote. Als die Glinken zusammen mit der Stadtkapelle in Beek die „Hubertus-Windmühle" besichtigten, beklagte sich das damalige Stadtoberhaupt van Meeuwen über dort fehlendes Korn. Der Stadtrat und Glinken-Aktive Max Lohner versprach den Pottentaoten mit einem Lastzug der Firma Gartner einige Säcke Weizen zu schicken. Das Korn wurde in den Niederlanden gut gelagert und beim Gegenbesuch 1981 als Mehl, in mit den Wappen beider Gesellschaften versehenen kleinen Säckchen, an die Ballbesucher des Hofballes zurückgegeben.

Die Geschichte

Die Pottentaoten nennen sich Vastellaoves-Vereiniging. Diese Vereinigung hat eine sehr lange Tradition und Geschichte. 1995 konnte man bereits das 10 x 11. Jubiläum feiern.

In einer Zimmerwerkstatt von Jean Lemmens wurde bereits 1986 begonnen. Als man sich zur Gründung eines Vereins entschlossen hatte, dauerte die Sitzung jedoch noch sehr lange, da kein passender Name gefunden werden konnte.

Wie es doch der Zufall will, es kam eine Frau ins Spiel: Eine „böse Frau" brachte die Rettung! Einer der großen Verfechter für den neuen Verein, der Küster Alex Lemmens, kam sehr spät nach Hause, wo ihm kein freundlicher Empfang am häuslichen Herd beschieden war. Seine ihm angetraute Ehefrau empfing ihn mit den bissigen Worten: „Does bés mich eine Pottentaot!" Der Küster machte einen Luftsprung und rief zu seiner Frau „Ich hab es. Wir haben einen Namen, de Pottentaote." Damit hatte der Abend noch das gewünschte Resultat geliefert.

Was die Frau ausrief, soll jetzt erklärt werden. Das Wort bedeutet eigentlich Machthaber und kommt vom lateinischen Wort Potens, was soviel bedeutet wie: „mächtig, herrschen oder auch herrschen können". Dieser Name wurde von der Versammlung Wochen darauf einstimmig angenommen.

Das Pottentaote-Emblem

Das Emblem wurde im Juli 1947 von einem Architekten entworfen. Grundlage war ein heraldisches Familienwappen, bestehend aus einem Schild, Helm und Helmkleid. Auf dem Schild wurde ein Schnapsglas abgebildet. Aus dem Helm wurde eine Maske und aus dem Helmkleid einige Fetzen dargestellt als Symbol für die Springerei der Maskierten. Da sich der Narr ja gern selbst an der Nase nimmt, wurde als Erkennungszeichen ein Esel darüber gestellt, auf dem ein Pottentaote sitzt. Anstelle des goldenen Vlieses wurde eine Kordel mit einer Quaste am unteren Teil des Symbols angebracht. Das Emblem besteht aus den Farben rot, gelb und grün.

Das Vereinsleben

Die „Baeker Pottentaote" sind die drittälteste Karnevalsgesellschaft von Limburg. Die Gesellschaft hat einen sehr großen Anhängerkreis und damit auch eine dementsprechende Bedeutung in der Stadt. Bei den Veranstaltungen treten sie mit einem Elferrat auf. Falls eine Tanzgarde benötigt wird, wird sie vom ortsansässigen Majorettenkorps geliehen. Auch finden wir in Beek keine Prinzessin. Über den Fasching regiert der Prinz Karneval.

Viele Straßenvereine helfen der Gesellschaft mit dem Bau von Wagen für den Umzug am Rosenmontag. Dieser Umzug umfasst ca. 80 Gruppen und zieht jeweils ca. 30.000 Besucher an. Am Faschingssonntag gibt es einen Nachtumzug. Die Straßenbeleuchtung wird ausgeschaltet. Es strahlen nur die Wagen. Am 11.11. beginnt die Saison beim Pottentaoten und setzt sich in den Gaststätten fort. Weitere Veranstaltungen sind die Prinzensitzung und die Jugendsitzung.

Während der Karnevalszeit treten viele Musikgruppen in Blasmusikbesetzung bei Veranstaltungen auf oder ziehen durch die zahlreichen Kneipen. Die größte ist die „hopcapel" mit 26 Personen, die den Beeker Prinzen bei dessen Auftritten mit der bayerischen „Festwies-Polka" begleitet.

Durch die fest vereinbarten Treffen, die all 3 Jahre stattfinden, und die gegenseitigen Besuche auch außerhalb der Faschingszeit ist eine echte Freundschaft entstanden. Wir grüßen unsere Freunde mit ihrem Schlachtruf,

einem „Baek allewiel".   

 

Baeker Pottentaote